
Liedtext
Frère Jacques, Frère Jacques, Dormez-vous? Dormez-vous? Sonnez les matines! Sonnez les matines! Ding, ding, dong. Ding, ding, dong.
#Deutsche Übersetzung
Bruder Jacques, Bruder Jacques, schläfst du noch? Schläfst du noch? Läute zur Frühmette! Läute zur Frühmette! Ding, ding, dong. Ding, ding, dong.
#Frère Jacques auf einen Blick
- Herkunftsland
- 🇫🇷 Frankreich
- Gesungen auf
- Französisch
- Auch gesungen als
- Are You Sleeping, Brother John?, Mojster Jaka
- Text von
- Traditionell
- Erstmals belegt
- um 1780
- Empfohlenes Alter
- 2–8
- Stimmung
- verspielt, traditionell
- Zuletzt aktualisiert
- 24. Juli 2026
So wird es gesungen
- Bringt zuerst allen die ganze Melodie bei — es sind nur vier kurze Phrasen, und jede wird zweimal gesungen.
- Teilt euch in zwei Gruppen. Die erste beginnt; die zweite wartet, bis die erste bei „Dormez-vous?“ angekommen ist, und setzt dann von vorn ein.
- Singt immer weiter im Kreis; mit sicheren Sängerinnen und Sängern können drei oder vier Gruppen im Abstand von zwei Takten einsetzen.
- Verabredet vor dem Start ein Ende, sonst hört es nie auf — meist hört jede Gruppe auf, nachdem sie das ganze Lied zweimal gesungen hat.
Bedeutung und Herkunft
Dies ist das Lied, mit dem die meisten Kinder zum ersten Mal erleben, dass zwei Menschen gleichzeitig Verschiedenes singen können und es trotzdem gut klingt. Es ist ein Kanon: Alle singen dieselben vier Phrasen, und die Gruppen setzen einfach zu verschiedenen Zeitpunkten ein.
Der Witz ist klein und vollständig. Bruder Jacques hat seine einzige Aufgabe verschlafen. Irgendwo im Kloster steht die Frühmette an, die Glocke wurde nicht geläutet, und der Sänger steht vor seiner Tür und fragt — man ahnt: mit wachsendem Nachdruck —, ob er denn noch schläft. Dann läutet der Sänger die Glocke eben selbst: ding, ding, dong. Vier Zeilen, eine sanft entnervte Szene.
Wer es geschrieben hat, ist nicht gesichert. Die früheste bekannte Fassung steht in einer französischen Handschrift von etwa 1780, gedruckt wurde die Melodie erstmals 1811; lange galt das Lied schlicht als anonym. 2014 gab ihm die Musikwissenschaftlerin Sylvie Bouissou einen Namen: In einer Handschrift mit 86 Kanons in der Französischen Nationalbibliothek vermerkt der Sammler Jacques Joseph Marie Decroix Jean-Philippe Rameau als Urheber von „Frère Jacques“, und das Diapason général de tous les instruments à vent des Geigers Louis-Joseph Francœur von 1772 erwähnt Rameau und vier Kanons, darunter dieses Lied. Bouissou hält diese Spuren für Beweise; der Text jener frühen Fassung, so merkt sie an, weicht vom heute gesungenen ab. Die Zuschreibung hat sich nicht allgemein durchgesetzt, sodass die ehrlichste Aussage lautet: Es gibt Indizien, die auf Rameau deuten, und keinen Verfassernamen an dem Lied, wie die meisten es kennen.
Das Lied ist weit gereist, meist mitsamt dem schlafenden Mönch — auf Deutsch ist er Bruder Jakob, auf Italienisch Fra Martino, und in der englischen Fassung wird er zu Brother John, dessen Name besser zur Melodie passt als Jacques.
Als Kanon gesungen, fügt sich die Melodie immer wieder mit sich selbst zusammen. Setzt eine zweite Gruppe zwei Takte später ein, reibt sich nichts; mit einer dritten und vierten wird das Gewebe nur dichter. Für ein Kind ist das eine wirklich verblüffende Entdeckung — dass man seine eigene Linie halten kann, während jemand daneben etwas anderes singt, und dass beides zusammen etwas ergibt, das keiner allein zustande brächte.
Häufige Fragen
- Was bedeutet Frère Jacques?
- Es bedeutet „Bruder Jacques“ — ein Mönch. Das Lied fragt, ob er noch schläft, und fordert ihn auf, die Morgenglocken zu läuten; eine schlichte Prosaübersetzung wäre also: „Bruder Jacques, schläfst du noch? Läute zur Frühmette! Ding, ding, dong.“
- Wer hat Frère Jacques geschrieben?
- Ein Urheber ist nicht gesichert, und das Lied galt lange als anonym. Der früheste bekannte Beleg ist eine französische Handschrift von etwa 1780, gedruckt wurde die Melodie erstmals 1811. 2014 vertrat die Musikwissenschaftlerin Sylvie Bouissou die These, Jean-Philippe Rameau habe es geschrieben: In einer Handschrift mit 86 Kanons in der Französischen Nationalbibliothek nennt der Sammler Jacques Joseph Marie Decroix Rameau als Urheber, und Louis-Joseph Francœurs „Diapason général“ von 1772 erwähnt Rameau und vier Kanons, darunter „Frère Jacques“. Das sind Indizien für die Zuschreibung, keine gesicherte Tatsache; meist wird das Lied weiterhin ohne Urheber geführt.
- Warum wird Frère Jacques als Kanon gesungen?
- Ein Kanon ist ein Lied, in dem alle dieselbe Melodie singen, aber zu verschiedenen Zeitpunkten einsetzen. „Frère Jacques“ besteht nur aus vier kurzen Phrasen, die jeweils zweimal gesungen werden; eine zweite Gruppe kann also beginnen, sobald die erste bei „Dormez-vous?“ ankommt, und beide Linien fügen sich zusammen. Mit sicheren Sängerinnen und Sängern wird es bis zu vierstimmig gesungen. Deshalb ist es so oft die erste Erfahrung eines Kindes mit mehrstimmigem Singen.
- Was sind „les matines“?
- Die Matutin — die Frühmette — ist das erste Gebet des klösterlichen Tages, sehr früh am Morgen. Die Glocke zu läuten und die Gemeinschaft dafür zu wecken war die Aufgabe eines Einzelnen — und in diesem Lied hat Bruder Jacques sie verschlafen.
- War Bruder Jacques eine echte Person?
- Dafür gibt es keine Belege. Über die Jahre wurden mehrere Theorien vorgeschlagen, keine davon überzeugend. Die wahrscheinlichste Erklärung ist die langweiligste: „Jacques“ ist schlicht ein sehr häufiger französischer Name, der hier für irgendeinen Mönch steht.



